2013 Kikeriki Theater mit Faust

Hier die Kritik aus dem Main Echo vom 14.5.2013:

Zwischen Narrensitzung und Jahrmarktsspektakel

Kikeriki-Theater: Lacher und Schenkelklopfer in Mömlingen

Mömlingen Wenn der Kegelverein Mömlingen zu einer Kulturveranstaltung in die Sport- und Kulturhalle einlädt, dann sind zwei Dinge garantiert: Eine volle Halle und leichte, witzige Unterhaltung. Dass beides zusammenhängt, darf man getrost vermuten.

Faust und sein Famulus Wagner in Kostümen und mit Grillhandschuhen warten gespannt, wer durch die Tür der überdimensionalen Puppenspielbühne kommen wird. Foto: Heinz Linduschka

Das war auch am Freitagabend nicht anders, als vor gut 500 Besuchern das Darmstädter »Kikeriki-Theater« seine Version des »Faust« präsentierte, als »teuflisches Jahrmarktsspiel in zwei Bildern und sechs Aufzügen«.
Goethe-Puristen wären an diesem Abend fehl am Platz gewesen, außer sie hätten berücksichtigt, dass möglicherweise auch der junge Goethe durch Puppenspiele auf den Faust-Stoff aufmerksam wurde und dann in vielen Jahrzehnten sein Werk der Weltliteratur entwickelt hat. Und im Alter von 26 Jahren schrieb er schließlich das derbe Stück »Hanswursts Hochzeit«, das viel näher an der Fassung der Darmstädter dran war als der »Faust I«.
Slapstick und derbe Kalauer
Zugegeben: Was die Akteure mit überschäumender Fantasie und Spielfreude gut zweieinhalb Stunden lang inszenierten, erinnerte an eine Mischung aus Jahrmarktsspiel und Karnevalssitzung. Das zentrale Streben des Wissenschaftlers danach, »was die Welt im Innersten zusammenhält«, mutierte in ihrer Fassung oft zu einer Mischung aus Slapstick, Kalauern und derbem Volkstheater. Aber auch zugegeben: Es machte den Zuschauern sicht- und hörbar viel Spaß, sorgte für laute Lacher und für Schenkelklopfen, und vielleicht konnte die Aufführung sogar den einen oder die andere dazu motivieren, sich tatsächlich mit Goethes »Faust I« zu beschäftigen.
Die Qualitäten der »Kikeriki-Version« waren unübersehbar – auch abgesehen vom Unterhaltungswert, den vor allem die Figur des Kaspers manchmal bis zum Rand auskostete. So intensiv, dass sich oft sogar der alte Gelehrte das Lachen nicht verkneifen konnte, wenn ihn Kasper mit seinen trivialen Unterbrechungen von seinen Höhenflügen auf den Boden der Tatsachen zurück holte.
Gretchen am Trompetchen
Die bunte und fantasievolle Jahrmarktsbühne in Form eines überdimensionalen Puppentheaters, die skurrilen Puppen mit ihren Kostümen, die atmosphärisch dichte Lichtregie, die Verkleidungen der menschlichen Figuren, die sich zwischen den Puppen tummelten, »Herr Gretchen« als »Faktotum am Trompetchen« und ein Famulus Wagner, der als Schwabe alles konnte außer Hochdeutsch – alles Momente der Aufführung, die immer wieder für gute Laune sorgten. Und manchmal schmuggelten die »Kikeriki«-Akteure doch ein paar Originalverse in die Parodie – humanistische Bildung ganz leicht gemacht.
Besonders einfallsreich: des »Teufels Großmutter« als »Tina Turner der Vorhölle«, die manchmal dick aufgetragenen Redeansätze des Kasper als Karnevalsjeck, als Hitler und als Honecker – und dazwischen immer wieder ein paar Sätze zum Nachdenken und als Anregung: Mephisto bekennt beispielsweise »Faust, deine Seele liegt mir sehr am Herzen« und bringt dem Gelehrten das »Buch der Erkenntnis« – bei ihm eine »geile Nummer«.
Heinz Linduschka

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das Stück Faust von und mit dem Kikeriki Theater, zum ersten mal auf Tournee

Wichtig: Bei uns gibt es immer Platzkarten, wir möchten nämlich dass die Personen die besten Plätze bekommen die rechtzeitig Ihre Karten kaufen, und nicht diejenigen die am Abend der Vorstellung zuerst kommen und dann drängeln!

Nach langen Verhandlungen ist es uns wieder gelungen die Kikeriki Crew erneut nach Mömlingen zu holen. Erstmals sind sie mit “Faust” auf Tournee. Also lasst Euch überraschen und vergesst nicht den Termin zu vermerken!

Infos über das Stück:
Faust – ein teuflisches Jahrmarktsspiel
ist ein Puppenspiel der besonderen Art. In der entscheidenden Frage des Theaterdirektors, die er in seiner Vorrede vor der Kasperbude stellt: „Sind wir womöglich alle nur Figuren im großen Spiel des Lebens; mal himmlisch still geführt von oben – mal höllisch wild bewegt von unten?, liegt die gesamte Intention diese Stücks. Wer ist Figur und wer ist Mensch oder ist Mensch auch nur Figur? Wer bewegt wen? Oder wer wird bewegt und wer bewegt?
Bereits 1666 wurde die „tragische Historie vom Leben und Sterben des Doktor Faustus“ nach der Vorlage des Engländers Christopher Marlowe im Puppentheater aufgeführt. Um den Zuschauern die wahrlich schaurige Geschichte unterhaltsamer darzubieten, waren volkstümliche Figuren wie der Hanswurst oder später der Kasper, fester komödiantischer Bestandteil.
Auch Johann Wolfgang von Goethe sah als Kind 1759 erstmals in einer Jahrmarktsbude das alte Puppenspiel von Doktor Faustus . Obwohl Goethe später seinen Faust zum bedeutendsten deutschen Literatur- und Theater-Thema erhob, zeigte seine Faust-Parodie „Hans Wursts Hochzeit“, dass auch er komödiantisch mit diesem Stoff umzugehen wusste.
Im Geiste dieser geschichtlichen Hintergründe zeigt das KIKERIKI THEATER seinen komödiantischen Volkstheater-Faust als „ein teuflisches Jahrmarktsspiel“ in einer originalgetreuen Kasperbude des 19.Jahrhunderts.

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